Beim Gebäude-Screening wird auf Missstände und Vernachlässigung kontrolliert
Bauten aus der Gründerzeit machen Wien schön und lebenswert: Stuck und prächtige Fassaden prägen das Stadtbild, die für den Altbau geltenden Mietzinsobergrenzen machen Wohnen leistbar. Und: Die hohen Räume und dicken Mauern machen die Hitze erträglicher.
Genug Gründe für die Stadt, diese Gebäude zu schützen – wie beispielsweise zuletzt am Währinger Gürtel: 2024 wurde das Gründerzeit-Ensemble zwischen Jörgerstraße und Gentzgasse mit breiter Zustimmung der Währinger Bezirksvertretung als „Schutzzone“ ausgewiesen. Hintergrund: „Der Bau der U5-Station Michelbeuern wird dieses Gebiet aufwerten. Um allfälliger Immobilienspekulation schon im Vorfeld einen Riegel vorzuschieben, wurde diese Änderung in der Flächenwidmung vorgenommen“, erklärt Bezirksvorsteherin Silvia Nossek.
Systematische Kontrolle
Das Schlupfloch dabei: Auch in Schutzzonen darf abgerissen werden, wenn ein Gebäude die „wirtschaftliche Abbruchreife“ erreicht hat – das heißt, dass aufgrund des Gebäudezustands eine Sanierung wirtschaftlich nicht mehr darstellbar ist. Dieses Schlupfloch kennend, passiert es immer wieder, dass Hauseigentümer*innen diese wirtschaftliche Abbruchreife mittels Vernachlässigung der Gebäudesubstanz bewusst herbeiführen.
Die SPÖ Währing setzte deshalb die Initiative, dass der Bezirk in die „Offensive Altbautenschutz“, ein Programm der Stadt, aufgenommen wird: Dabei werden Gebäude von einem Team aus Baupolizei und Gruppe Sofortmaßnahmen systematisch kontrolliert. Werden bei den Begehungen kaputte Fenster, Gerümpel im Hof, verstellte Fluchtwege oder andere Missstände vorgefunden, werden Eigentümer*in bzw. Hausverwaltung informiert, bei Notfällen auch gleich die Feuerwehr. Und in der Folge wird geprüft, ob der Missstand beseitigt wurde.
Zum Schutz von Gebäuden – und Menschen
Marcus Altmann, Klubvorsitzender der SPÖ Währing und Sozialbeauftragter des Bezirks, hat das Team beim Gebäude-Screening im Kreuzgassenviertel begleitet – und ist froh über dessen Arbeit: „So wird dafür gesorgt, dass Eigentümer*innen ihrer Instandhaltungspflicht nachkommen. Das schützt Bewohner*innen und Passant*innen – und verhindert, dass Gebäude absichtlich vernachlässigt werden, um sie durch lukrativere Neubauten zu ersetzen.“
Neben dem systematischen Screening handelt das Team auch, wenn es direkt informiert wird: Missstände einfach über die Sag’s Wien-App melden, und das Gebäude wird kontrolliert!
Bild (c) BV18

